h|u|m|b|o|t CAD Memory
curated by Peter Weibel and Jean Baptiste Joly,
Galerie K&S Berlin 1999.
Wir befinden uns am Ende des zweiten Jahrtausends: Alexander
von Humboldt geht im Jubiläumsjahr von Goethe und Bach unter. Zwischen
dem Mephisto-Menü in Auerbachs Keller und der Bach-Kantaten-Pilgerreise
von Berlin bis New York bleibt keine Zeit für einen Gedanken an den Forscher,
der vor genau 200 Jahren nach Südamerika aufgebrochen war. Allein in der
Ausstellung "Netzwerke des Wissens" wurde an Humboldt erinnert.
Jetzt hat ein kleines Netzwerk von Menschen diesen Gedanken wieder aufgenommen:
Künstler, Architekten, Programmierer, Theoretiker und Wissenschaftler
folgen mit dem Projekt "humbot" multimedial und international
den Spuren Humboldts. Unter www.humbot.org haben sie ein Programm als
eine Art Vergleichsmaschine ins Internet gestellt und füttern es nun mit
Informationen, die sich um Alexander von Humboldt und Lateinamerika drehen:
Auszüge aus Reisetagebüchern sowie Texte, Fotos und Videos, die von Reisen
nach Venezuela stammen.
All diesen kleinen Informationshäppchen werden dabei bestimmte Merkmale
zugewiesen, seien es die Ortskoordinaten eines Fotos oder der emotionale
Zustand, der in einem Text beschrieben wird. Das Programm vergleicht innerhalb
von zwölf Stunden alle Informationen miteinander und erstellt so eine
Karte, die diese Informationen abbildet: Helle Punkte verbergen viele
Daten und Punkte, die weit entfernt voneinander sind, unterscheiden sich
auch inhaltlich. Veränderung ist bei dieser Karte beabsichtigt, die Informationsmenge
wird ständig erweitert, und auch jeder Besucher der Website hinterlässt
Spuren, die berücksichtigt werden. Die Referenz zu Humboldt liegt nicht
weit, denn der Forscher beschäftigte sich auch intensiv mit der Erstellung
von Karten, z. B. einer Weltkarte der Krankheiten.
So weit, so theoretisch. In der Wirklichkeit des Internets stellt sich
die Karte als kryptisch dar: Viele kleine Quadrate in Schattierungen von
Lindgrün bis Schwarz bilden eine diffuse Form. Darauf tauchen Links und
kleine Navigationssymbole auf, deren Funktion sich aber durch Intuition
und Ausprobieren nur schwerlich erschließt. Zudem ist die Schrift sehr
klein, so dass sich Links und Texte nur mit der Nase am Monitor entziffern
lassen. Auch die Videos stellen ein Problem dar, sie werden lange oder
gar nicht geladen.
Wohl deshalb ist die Schnittstelle des Betrachters zur Vergleichsmaschine
humbot in einer Ausstellung erweitert worden: Wenn realer und virtueller
Raum nicht nur durch Maus und Bildschirm verbunden sind, fällt der Zugang
leichter. So geschehen im vergangenen Herbst im Zentrum für Kunst und
Medientechnologie Karlsruhe und jetzt in der Galerie K&S: Ein Steg
aus rauhen Holzbrettern zieht sich durch den Raum mit einem angebauten
großen Holzquader, auf dem zwei Computer stehen. Die Bildschirmoberflächen
werden auch auf die Wände projiziert, wo zumindest die Texte und Videos
zu angemessener Größe kommen.
Aus diesen provisorisch anmutenden Bauten und den dargestellten Datenmengen
spricht dann irgendwie Alexander von Humboldt und
haucht: "Heute wäre ich ein Techniknomade, mit Laptop, GSM-Handy
und
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Digitalkamera, unterwegs auf einer langen Forschungsreise
durch den Cyberspace." Der Forschergeist lebt, aber er versteckt sich
unter der Benutzeroberfläche.
[TAZ - Daniel Boese "Tausend Karten: Multimedial auf der Spur Alexander
von Humboldts: Das Internet-Projekt h|u|m|b|o|t" vom 7.2.2000.]
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HUMBOT INSTALLATION
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